November 2020

Lassen Sie sich jeden Monat einmal inspirieren, durch eine Frage, ein Motto, einen Text, ...

Die vier Ebenen der Zusammenarbeit bzw. des Zusammenlebens!

In meinen Supervisionen, Coachings und Seminaren bekommt erneut das Thema rund um Covid 19 einen sehr großen Stellenwert.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn schließlich ist es DAS Thema an sich, womit alle im Moment auf unterschiedliche Weise beschäftigt sind. Nicht nur, dass es in jeder Nachrichtensendung Thema Nr.1 ist, (okay, im Moment hat die Trump-Wahl den Rang streitig gemacht) es beeinflusst maßgeblich unseren Alltag, beruflich und privat, ob ich es will oder nicht. Bei einigen sogar bis zur Existenzgefährdung.

Die Aufmerksamkeit für Begriffe, die vorher nur wenigen bekannt waren, wächst: Wie hoch ist der R-Wert, der Inzidenzwert, wie sieht das exponentielle Wachstum aus, die Höhe der Infizierten am Tag, die Anzahl der Intensivbetten, die Anzahl der Todesopfer, die Anzahl an Pflegekräften, ...  Hab ich mich angesteckt? Muss ich in Quarantäne? Verunsicherung macht sich breit, was jetzt gerade erlaubt ist, oder nicht? Welche damit einhergehenden notwendigen Konsequenzen hat es für mich, privat wie beruflich?

Die Befürchtung, wohin uns die hohen Infektionszahlen führen, hinterlässt ihre Wirkung. Das macht etwas mit den Menschen und ihrem Seelenleben. Noch nie habe ich in meinen Sitzungen so viele SupervisandInnen oder Seminarteilnehmende weinen gesehen. Sie weinen, weil sie das Thema als bedrückend erleben und es sich wie eine Dunstglocke über ihre psychische Verfassung hängt, eine Dünnhäutigkeit, die sich in Traurigkeit, Wut oder depressiven Verstimmungen abbildet.

Auch in den meisten Teams wird eine vermehrte Anspannung spürbar. Die zusätzlichen strukturellen Veränderungen im Arbeitskontext - Abläufe müssen wieder neu gedacht werden, weil vieles nicht so umsetzbar ist, wie vorher -  führen zu einer enormen Kraftanstrengung. Dazu kommt die unterschiedliche Umgehensweise der Teammitglieder mit Covid 19. Die Stringenz, mit der sich einzelne an Anweisungen halten oder eben nicht, führt zu einer zusätzlichen Spannung unter einander. Ein unbeschwerter Umgang mit einander ist schwierig.

Was hilft in solch einer Phase? Natürlich gibt es keine Patentrezepte, aber sicherlich ist es sinnvoll, genau das zu reflektieren, nämlich: dass wir uns permanent in einer Art Ausnahmezustand befinden, dass uns all diese Einflüsse um uns herum zusätzlich belasten und Sand in unser Seelengetriebe streuen; dass wir und unser Umfeld in einem weitaus höherem Maße beansprucht sind und dies alles Auswirkungen auf unsere Befindlichkeit, unsere Beziehungen und die Qualität unserer Zusammenarbeit bzw. unseres Zusammenlebens hat.

Wolfgang W. Wolle, Führungskräftetrainer, in der Schweiz wohnend, hat ein einfaches Vier-Beziehungsebenen-Modell entwickelt, das als Grundlage zur Reflexion dienen kann. Es handelt sich um die Einordnung vier verschiedener Qualitäten im Umgang mit einander. In jeder Beziehung bewegen wir uns auf einer der vier Ebenen:

FÜR - Einander
MIT - Einander
NEBEN - Einander
GEGEN - Einander

Fragen in diesem Zusammenhang könnten sein: wie erlebe ich im Moment die Zusammenarbeit? Was trägt dazu bei, dass wir uns auf Ebene XY befinden? Sind wir zufrieden damit oder wie müsste sich unser Umgang/unsere Zusammenarbeit verändern, wenn wir auf eine erfolgreichere Ebene gelangen wollen? Was verlangt es uns ab? Wollen/können wir das leisten? Wie vereinbaren wir uns?

Eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen kann dazu beitragen, aus der gefühlten Schwere heraus zu treten, einen Ansatzpunkt zu finden, in Handlungsfähigkeit zu kommen und bestenfalls wieder mehr Leichtigkeit zu generieren. Abgesehen davon hilft natürlich immer, etwas großzügiger mit uns und den anderen umzugehen und erfinderisch zu werden bei der Suche nach Leichtem und Schönem. Lassen Sie uns die Qualität unserer Lebensumstände wieder mehr wertschätzen, trotz allem!

Ich wünsche Ihnen hierfür viele gute Ideen und Erkenntnisse. Ich freue mich von Ihren Erfahrungen zu hören. Gerne begleite ich Sie auch dabei.

Birgit Weinand